Geschichte

Das Kloster Lichtenstern wurde 1242 von der Gräfin Luitgard aus Weinsberg gegründet. Zur Klosteranlage, die bis zum Ende des 13. Jh. entstand, gehörten neben der heute noch erhaltenen Klosterkirche (1280) der Kreuzgang mit einem schönen Maßwerk und Rippengewölbe, das Konventgebäude, Wohngebäude für etwa 25 Nonnen und Nebengebäude. Das Kloster erlebte im 15. Jh. seine Blütezeit.
Nach 300jährigem Bestand wurde das Kloster in der Reformationszeit 1554 von Herzog Christoph aufgelöst. Er richtete ein Klosteroberamt ein, das die Liegenschaften und Pfründe des ehemaligen Klosters verwaltete. In dieser Zeit wurde die Oberamtei (als Anbau der Kirche) und das Bandhaus (1586) gebaut, die heute mit der Kirche, dem Forsthaus und Binderhaus das mittelalterliche Ensemble Lichtenssterns bilden.
Das Klosteroberamt bestand bis zum Jahre 1806. Danach verfielen die ungenutzten Gebäude. Das Jahr 1836 brachte die Rettung für die Klostergebäude: Stadtpfarrer Hegler und die Gebrüder Schmidgall (Löwenstein), Justinus Kerner aus Weinsberg und Dr. Karl August Zeller, preußischer Regierungsrat (Berlin) riefen einen Verein ins Leben, der das Klostergelände kaufte und eine Kinderrettungsanstalt gründete. Ergänzend dazu wurde 1839 eine „Armenschullehrer-Bildungsanstalt“ aufgebaut, in der Lehrer für arme Inlands- und Auslandsgemeinden ausgebildet wurden.

1943 mußten die größeren Kinder das Heim verlassen, dafür zogen junge Männer eines Wehrertüchtigungslagers ein. Kurz vor Kriegsende waren ein SS-Lager, dann ein Arbeitsdienstlager für junge Leute und eine Stabsstelle der Infanterie einquartiert.
Nach Kriegsende gewährte Lichtenstern für etwa 60 bombengeschädigte Löwensteiner Bürger Notunterkunft.
1946 wurde eine kirchliche Lehrerinnenoberschule eingerichtet, die 1954 als „Lichtenstern-Gymnasium“ nach Großsachsenheim übersiedelte und für einige Jahre den Unterklassen des kirchlichen Aufbaugymnasiums Michelbach Platz machte. Parallel dazu wurde nach dem 2. Weltkrieg ein Erziehungsheim eingerichtet, das bis Anfang 1963 bestand. Ehemalige Heimkinder unterstützt die Evangelische Stiftung Lichtenstern gerne im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte. Gerne können Sie als Betroffene/r mit uns Kontakt aufnehmen.
1963 begann die Umwandlung zum „Evangelischen Pflegeheim Lichtenstern“ für Menschen mit geistiger Behinderung. Pfarrer Vierling kam mit 13 Kindern und Jugendlichen aus Stetten
nach Lichtenstern. Neubauten erweiterten die Möglichkeiten der Einrichtung: 1964 kamen Wohnhäuser im Konventgarten und im Luitgardhof (ab 1970) hinzu, ebenso ein Wirtschaftsgebäude, eine Werkstatt für behinderte Menschen und eine Schule (1981).
Die Angebote wurden und werden stetig weiterentwickelt, immer mit dem Ziel, die Lebensumstände für Menschen mit Behinderungen so weit wie möglich zu normalisieren.
Rund 350 Menschen mit Behinderung nutzen derzeit die am individuellen Hilfebedarf ausgerichteten Wohnangebote in Lichtenstern und in der Region. Darüber hinaus bietet die Stiftung Assistenz, Betreuung und Förderung durch einen Kindergarten, eine Sonderschule mit Außenklassen, eine Werkstatt für behinderte Menschen und therapeutische Angebote in Lichtenstern.
Ergänzend dazu ist die Entwicklung flexibler, wohnortnaher Angebote für Menschen mit Behinderung und deren Familien ein wichtiges Anliegen. Ambulante Dienste in der Region leistet die Stiftung derzeit unter anderem durch die Offenen Hilfen Öhringen (Freizeitangebote, Beratung, usw.) und durch die Interdisziplinäre Frühförderung in Heilbronn mit ihren Beratungs- und Förderangeboten.
Seit 2007 geht die Stiftung zusätzlich neue Wege mit einem Seniorenpflegeheim in Obersulm-Willsbach.
